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Der Wow!-Effekt

15 Jahre Joggen. Manchmal 30 bis 40 km pro Woche. Schnell. Kein Zockeltrab für Hochbetagte oder Weicheier.

Unzählige Paare alter Hightech-Laufschuhe mit abgelaufenem Fersenprofil im Keller und seit Monaten ein Knie, das schmerzt, sobald es den Impact zu spüren bekommt. Softer Waldboden, öder Sportplatz oder lieblicher Feldweg? Völlig egal. Es zieht, sticht, schiesst ein. Ein Lächeln huscht mir nur über das Gesicht, wenn ich an den riesigen, halb gefrorenen Herrenunterhosen auf der Wäscheleine vor dem Haus Nummer 6 vorbeirenne. 

 

Ich sitze am Schreibtisch, schreibe an einem Buch über Binge-eating und Overeating, recherchiere, stosse auf lohnenswerte Youtube Videos: 10 Minuten hineinhören hier, 20 Minuten kritische Blicke dort, Notizen zu weiterführenden Ideen. Ich scrolle, schaue, klicke rechts: Die Themenvorschläge fächern sich breiter - Lebensführung, Ernährung, Gesundheit ... Kompakt aufgelistet unzählige Videos. Und dann passiert es: Zack!  - ein Vorschlag zu einer neuen Lauftechnik aus Japan springt mir ins Auge. Erfunden, erforscht und vor allem selber praktiziert von Prof. Dr. Tanaka, einem international anerkannten Sportphysiologen der Universität von Fukuoka.

 

Es ist sowieso gerade Zeit für eine Arbeitspause. Also schnappe ich mir meinen Laptop, gehe in die Küche, koche Café, beisse in eine Banane und sehe mir das YouTube Video an.

Belustigt schaue ich anfangs auf die winzigen Trippelschritte eines älteren Mannes, der auf einem Sportplatz seine Runden dreht, denke: Wo sonst als in Japan könnte man sich in so dezenten, ästhetischen Schritten vorwärts bewegen? 

Die minimale Schrittlänge des Läufers scheint wie geprägt durch einen engen Kimono-Saum  und die balancierende, gleitende Fortbewegung auf hohen japanischen Holzsandalen, Getas, japanischen High Heels. Doch hier läuft ein Mann, der Professor selber, wie sich herausstellt! Schlank, zäh und mit einem unwiderstehlichen, ansteckenden Smile . In nikoniko*-Geschwindigkeit, wie er es nennt, einer Geschwindigkeit, die es erlaubt, zu lächeln, sich blendend mit Mitläufern zu unterhalten oder seinen Lieblingssong zu singen (*nikoniko, Japanisch: lächeln).

Die Erklärungen von Prof. Dr. Tanaka sind kurz, klar, prägnant, wissenschaftlich untermauert, einleuchtend. Blitzschnell, ungeahnt und völlig fasziniert haben mich der Mann und seine Lauftechnik an der Angel. 

...

Das waren meine ersten - noch passiven - Slowjogging-Minuten mit einem ersten Wow!-Effekt.

 

Und was kam dann? Dazu bald mehr! An dieser Stelle von slowjogging.ch

 

Let's smile! Let's nikoniko!

 

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